Diese Rhabarbertorte gibt es zu einem ganz besonderen Anlass: Auf den Tag genau heute vor 10 Jahren ging mein allerster Blogpost online – ein gedeckter Apfelkuchen. Damals wäre ich im Traum nicht darauf gekommen, dass La Crema Patisserie mal der Grundstein für meinen kulinarischen und fotografischen Werdegang sein würde.
Ich hatte den Blog damals eigentlich nur ins Leben gerufen, um meine Rezepte auf meinen Reisen immer abrufen zu können, also in erster Linie für mich selbst und nicht, um damit Geld zu verdienen. Aber dann kam alles anders als gedacht.

Mittlerweile bin ich in erster Linie als freie Autorin, Fotografin und Rezeptentwicklerin tätig und bin froh, dass ich mit meinem Buch Tolle Torten den Schritt in die Unabhängigkeit geschafft habe und mittlerweile von meinen eigenen Inhalten leben kann. Das hat zum Glück geholfen, meinen Wert nicht mehr basierend auf Social Media-Zahlen und Reichweiten zu definieren – vor ein paar Jahren sah das noch ganz anders aus.

Wenn ich dir eine Sache aus diesen zehn Jahren Selbstständigkeit mitgeben kann, dann die: Vertrau deiner Intuition. Und mach dein Ding. Für Erfolg brauchst du vor allem eine Sache (die vielleicht sogar wichtiger ist als Leidenschaft, Talent oder Können): Durchhaltevermögen. Und durchhalten kannst du nur, wenn du authentisch bist. Dich zu verstellen und etwas darzustellen, hinter dem du eigentlich gar nicht stehst, mag kurzfristig funktionieren, ist aber auf lange Sicht viel zu anstrengend.

Ich habe selbst lange gebraucht, um mir selber zu vertrauen. In den letzten 10 Jahre wurden mir so viele Glaubenssätze und „Wahrheiten“ vermittelt, dass ich mich zwischenzeitlich darin verloren habe.
Als ich mit dem Bloggen begonnen habe, hieß es von allen Seiten: Wenn du erfolgreich sein willst, musst du dich zeigen. Vor die Kamera gehen. Deine Persönlichkeit mehr in den Vordergrund stellen. Ich fühlte mich aber hinter der Kamera wohler, also habe ich es gelassen.
Dann kam der große Video-Hype und plötzlich hieß es, wer keine Videos produziere, existiere schon bald nicht mehr. Guess what: Seit 2023 poste ich kaum noch Reels, weil mir schlicht die Zeit fehlt, und trotzdem hat sich meine Followerschaft in den letzten Jahren verdoppelt und der Blog hat mehr Aufrufe denn je.
Während alle mit Onlinekursen reich werden wollten, habe ich meine kompletten Ersparnisse in die Veröffentlichung eines gedruckten Buches gesteckt. Obwohl ich seit mindestens 20 Jahren höre, dass Print mausetot ist.

Und last but not least der Glaubenssatz der ach so wichtigen Einheitlichkeit. Dieser hat mich fast in den Wahnsinn getrieben, weil ich immer das Gefühl hatte, ich muss mich festlegen, einen roten Faden verfolgen, für eine Sache entscheiden, obwohl ich 3856385 verschiedene machen wollte.
Heute weiß ich: ich brauche Abwechslung, ich entwickle mich weiter und das darf man auch sehen. Ich will damit nicht sagen, dass mein Weg der richtige ist, aber er ist der richtige für mich. Genau so ist dein Weg der richtige für dich. Und nur weil alle gerade die Hauptstrasse entlang preschen, heißt das nicht, dass die Seitenstraßen nicht ebenso zum Ziel führen ;).
Aber jetzt interessiert mich brennend: wie lange verfolgst du mich hier schon und an welche Meilensteine erinnerst du dich noch? Egal, ob du schon in meiner winzigen Studentenküche dabei warst oder erst gestern dazu gestossen bist: ich freue mich, dass du hier bist! ♥️

Hier geht’s zum Rezept für die Rhabarbetorte ohne Buttercreme:

Rhabarbertorte
Zutaten
Für die Zitronenböden mit Kürbiskernöl:
- 280 g Weizenmehl Type 405
- 8 g Backpulver
- 3 g Backnatron
- 1 Prise Salz
- 8 zimmerwarme Eier (M)
- 300 g Zucker
- 3 EL Abrieb von unbehandelten Zitronen
- 75 g Zitronensaft
- 120 g Joghurt (3,5% Fett)
- 225 g Ricotta
- 250 g flüssige Butter (abgekühlt)
- 50 g kaltgepresstes Kürbiskernöl
Für die Kürbiskern-Praliné:
- 200 g Kürbiskerne
- 80 g Zucker
- 1 Prise Salz
- 60 g kalt gepresstes Kürbiskernöl
Für die Kürbiskern-Chantilly:
- 2 Blatt Gelatine
- 150 g weiße Kuvertüre (28% Kakaoanteil)
- 500 g Sahne
- 50 g Kürbiskernmus
- 25 g Glukosesirup
- ggf. etwas grüne Lebensmittelfarbe
Für das Rhabarberkompott:
- 700 g Rhabarber
- 50 g Zucker
- ½ TL Vanille
Für die Mascarponecreme:
- 500 g Mascarpone
- 400 g Sahne
- 50 g Kürbiskernmus
- 30 g Puderzucker
- 1 Prise Vanille
Für den Ofen-Rhabarber:
- 800 g Rhabarber (möglichst dicke, dunkelrote Stangen)
- 40 g Zucker
- 1 Vanilleschote
Anleitungen
Tag 1:
- Für die Böden den Ofen auf 170 °C Ober- und Unterhitze vorheizen.
- Zwei Backformen à 20cm Ø gut einfetten und die Formböden mit einem Kreis Backpapier auslegen. Mehl, Backpulver, Natron, Salz und Mohn in einer Schüssel vermischen. Die Eier in eine Rührschüssel geben. Dann den Zucker, Zitronenabrieb und -saft, den Joghurt, den Ricotta und die flüssige Butter sowie das Öl hinzugeben und alles kurz verrühren, bis es sich gerade so verbunden hat (maximal 20 Sekunden). Die trockenen Zutaten mithilfe eines Schneebesens per Hand nach und nach vorsichtig unterheben, bis sich alles zu einem glatten Teig verbunden hat. Den Teig in die vorbereiteten Formen füllen und ca. 60 Minuten auf der mittleren Schiene im vorgeheizten Backofen backen. Nach 45 Minuten mit der Stäbchenprobe überprüfen, ob der Teig durchgebacken ist.
- Die fertigen Böden 30 Minuten in der Form abkühlen lassen. Die Ränder des Teigs mit einem scharfen Messer vorsichtig von der Form lösen, die Böden aus der Form stürzen und umgedreht vollständig auskühlen lassen. Das Backpapier abziehen, die Böden in Frischhaltefolie wickeln und über Nacht in den Kühlschrank stellen.
- Für die Kürbiskern-Praliné den Backofen auf 150 °C Ober- und Unterhitze herunterschalten. Die Kürbiskerne auf einem mit Backpapier belegten Backblech verteilen und auf der mittleren Schiene des Ofens 20-25 rösten. Die Kerne aus dem Ofen nehmen und auf dem Blech belassen.
- Den Zucker in einer Pfanne bei mittlerer Stufe schmelzen und karamellisieren lassen, bis er ein dunkles Karamellbraun angenommen hat. Dann über die gerösteten Kerne gießen und abkühlen lassen, bis der Karamell vollständig fest geworden ist. Die abgekühlte Kürbiskern-Karamell-Masse in grobe Stücke brechen und mit dem Salz und dem Öl im Hochleistungsmixer einige Minuten auf hoher Stufe mixen, bis eine glatte, fast flüssige Creme entstanden ist. Dabei etwa alle 30–60 Sekunden den Mixer anhalten, die Reste von den Wänden des Mixers kratzen und unterrühren. Die Praliné in ein sauberes, keimfreies Glas füllen und bis zur Verwendung luftdicht verpackt im Kühlschrank aufbewahren.
- Für den Ofen-Rhabarber den Rhabarber waschen, die Enden entfernen und die Stangen in möglichst gleichmäßige Stücke à 3 cm schneiden. In eine große Auflaufform geben (die Stücke sollten möglichst nicht übereinander liegen). Die Vanilleschote auskratzen. Das Mark, die leere Schote und den Zucker zum Rhabarber geben und alles gut vermischen. 30 Minuten ziehen lassen und währenddessen den Backofen auf 200°C Ober- und Unterhitze hochschalten.
- Die Form mit Alufolie abdecken und in den vorgeheizten Ofen geben. Den Rhabarber 10-15 Minuten dünsten – die Stücke sollten weich sein, aber noch gut Biss haben und ihre Form behalten. Abkühlen lassen und über Nacht luftdicht verpackt im Kühlschrank lagern.
- Die Gelatineblätter für die Kürbiskern-Chantilly einzeln in kaltem Wasser einlegen. Die Kuvertüre klein hacken und mit der Glukose und dem Kürbiskernmus in ein hohes Gefäß geben. Die Hälfte der Sahne erhitzen, bis sie fast (!) kocht und über die Kuvertüremischung gießen. Zwei Minuten stehen lassen und dann alles mit einem Stabmixer emulgieren. Die restliche kalte Sahne dazu geben und nochmals alles gründlich mit dem Mixer emulgieren, ggf. noch etwas grüne Lebensmittelfarbe dazu geben. Direkt an der Oberfläche mit Frischhaltefolie abdecken und über Nacht im Kühlschrank abkühlen lassen.
- Für das Rhabarberkompott den Rhabarber waschen, ggf. schälen und die Enden abschneiden. In kleine Stücke schneiden und zusammen mit dem Zucker und der Vanille in einen Topf geben und gut vermischen. 30 Minuten durchziehen lassen, dann erhitzen und solange köcheln, bis der Rhabarber zerfällt. Das Kompott abkühlen lassen und über Nacht abgedeckt im Kühlschrank lagern.
Tag 2:
- Alle Zutaten für die Mascarponecreme bis auf das Kürbiskernmus in eine große Rührschüssel geben und auf mittlerer Stufe einige Minuten lang aufschlagen, bis die Masse standfeste Spitzen bildet. Zum Schluss das Kürbiskernmus unterrühren. Die fertige Mascarpone-Creme in einen Spritzbeutel mit großer Lochtülle füllen und bereitlegen.
- Am nächsten Tag die vorbereiteten Böden ggf. etwas begradigen und dann beide Böden einmal waagerecht teilen, sodass insgesamt vier dünne Böden vorliegen.
- Einen Boden auf ein Cake Board legen und 2-3 EL Kürbiskern-Praliné darauf geben und gleichmäßig verstreichen. Einen äußeren Ring aus Mascarponecreme auf den Boden spritzen und einen zweiten Ring mit etwas Abstand in die Mitte spritzen. Die Hohlräume mit dem vorbereiteten Rhabarberkompott auffüllen. Den zweiten Boden auflegen und so weiter schichten und mit dem letzten Boden abschließen. Die Torte obendrauf und rundherum mit der restlichen Mascarponecreme einstreichen und glattziehen. Die Torte (am besten luftdicht verpackt) für mindestens eine Stunde in den Kühlschrank stellen.
- Die vorbereitete Chantilly einige Minuten lang aufschlagen, bis sie sehr standfeste Spitzen bildet und die gekühlte Torte damit einstreichen und glattstreichen. Die übrige Chantilly in Spritzbeutel mit den gewünschten Tüllen füllen und ein beliebiges Muster auf die Torte aufdressieren. Die Torte für mindestens eine Stunde in den Kühlschrank stellen.
- Zum Schluss den vorbereiteten Ofen-Rhabarber senkrecht auf die Torte setzen und die Rhabarbertorte zeitnah servieren.
- Fröhliches Naschen!
